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Bundestreffen der Fleckvieh-Fleischzüchter in Sachsen

Arbeitsgruppe Fleckvieh in der Fleischnutzung zusammen mit dem 2. Bundestreffen der Fleckvieh-Fleischzüchter am Samstag/Sonntag, 21./22. Oktober im Großraum Dresden statt. Rund 90 begeisterte Fleckviehzüchter, darunter....

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   Auf Einladung des Sächsischen Rinderzuchtverbandes (SRV) fand das jährliche Treffen der Arbeitsgruppe Fleckvieh in der Fleischnutzung zusammen mit dem 2. Bundestreffen der Fleckvieh-Fleischzüchter am Samstag/Sonntag, 21./22. Oktober im Großraum Dresden statt. Rund 90 begeisterte Fleckviehzüchter, darunter auch Vertreter aus Österreich und der Schweiz, fanden sich am Samstag auf dem Betriebsgelände der KÖG Kleinbardau bei Grimma ein. Nach der Begrüßung durch den Zuchtleiter für Fleischrinder in Sachsen, Klaus Ebermann, und ASR-Geschäftsführer Dr. Georg Röhrmoser stellte Herr Sinkwitz den landwirtschaftlichen Betrieb vor. Die KÖG Kleinbardau bewirtschaftet rund 2.650 ha Land. Hauptproduktionszweig ist der Marktfruchtbau. Die nicht ackerfähigen Flächen werden durch Mutterkuhhaltung genutzt. Die KÖG Kleinbardau hält rund 90 Fleckviehmutterkühe und zwei kleinere Herden Charolais und Limousin. Die enorm rahmigen und kalibrigen Fleckviehtiere zeigten sich von ihrer besten Seite und beeindruckten die Besucher. Die saisonale Abkalbung im Winter bedingt bei den Kalbinnen ein Erstkalbealter von bis zu 36 Monaten. Im Deckeinsatz stehen Bullen deutscher und dänischer Herkunft: Der wohl bekannteste dürfte der exterieurstarke Lando (V: Landfried) mit RZF 116 sein. Auch Zorro (V: Zimbo) und Roy (V: Rolls Royce) präsentierten sich in bester Kondition.
  
   Nächste Station war am Nachmittag die Muldental-Agrar-GmbH in Lunzenau. Geschäftsführer Frank Heft stellt den Betrieb vor. Insgesamt werden rund 1.180 ha Fläche bewirtschaftet. Auf den knapp 1.000 ha Ackerland werden hauptsächlich Getreide, Raps, Gras zur Grassamenproduktion und Kartoffeln angebaut. Die 180 ha Dauergrünland werden von 110 Fleckviehmutterkühen und deren Nachzucht beweidet. Die weitverzweigten Grünlandflächen erschweren die Herdenführung so dass in der Weidesaison bis zu 18 kleine Teilherden zu betreuen sind. Die Muldental-Agrar-GmbH kooperiert mit Fleckvieh-KB-Stationen. So steht dem Betrieb mit Poldau (Power Gold x Eisenherz, Züchter: Fleckviehhof Hansel, RBB) und Poldart (Poseidon x Eisenbart, Züchter: Hans-Jochen Burkhardt, RBW)  vom Besamungsverein Neustadt/Aisch und dem Prüfbullen Enzio (Eisenherz x Leckstein, Züchter: Versuchsstation Neuhof, FVB) von der Prüf- und Besamungsstation München-Grub beste Genetik zum Deckeinsatz zur Verfügung.
  
   Abends fand in Klipphausen bei Wilsdruff  die Versammlung der Arbeitsgruppe Fleckvieh in der Fleischnutzung statt. Für alle interessierten Züchter bestand die Möglichkeit, daran teilzunehmen. Zu Beginn gab Klaus Ebermann vom Gastgeberverband einen Überblick über die Fleischrinderhaltung und Herdbuchzucht in Sachsen. Im Bundesland Sachsen werden insgesamt 8.967 Herdbuchtiere, davon 4.799 Kühe und tragende Rinder, von 267 Betrieben gehalten. Mit 2.045 Herdbuchtieren liegt der Anteil des Fleckviehs bei knapp 23 %. Zweitgrößter Rasseblock ist Angus (19 %), gefolgt von Limousin (17 %) und Charolais (10 %). Die 14 anderen Fleischrinderrassen, die im Herdbuch geführt werden sind nur zu einem geringen Anteil vertreten.
  
   Die Arbeitsgruppe Fleckvieh-Fleischnutzung stellt auf der EuroTier am Stand des BDF einen Fleckvieh-Jungbullen aus dem Stall von AG-Vorsitzenden Michael Bock, Rathmannsdorf, RSA, aus. Auf der Grünen Woche 2007 in Berlin besteht die Möglichkeit, eine Fleckviehkuh mit Kalb auszustellen. Highlight der kommenden Schausaison wird die 6. Deutsche Fleckviehschau, die am 20./21. April 2007 in der Arena Hohenlohe, Ilshofen, Baden-Württemberg stattfindet, sein. Geplant ist eine Schau, auf der Fleckvieh in Doppel- und Einnutzung präsentiert wird. Insgesamt werden etwa 270 Fleckviehtiere ausgestellt. Rund 40-50 genetisch hornloses Fleckvieh (Bullen, Kühe mit Kalb, Rinder) der Zuchtrichtung Fleisch werden sich am Samstag, 21. April 2007 im Wettbewerb messen. Bei der Eliteauktion am Nachmittag werden Bullen und weibliche Tiere beider Zuchtrichtungen versteigert.
  
   Das jährlich von der ASR herausgegebene Züchterrundschreiben (siehe auch unter www.asr-rind.de) wird von den anwesenden Züchtern als sehr informativ beurteilt. Ein Wunsch ist es nach wie vor, v. a. ausländische Fleckviehbullen im Rundschreiben vorzustellen. Der Rücklauf auf unsere Anfragen bei Besamungsstationen im europäischen Ausland war allerdings nur spärlich. Zusätzlich ist eine Vergleichbarkeit der nationalen Zuchtwerte untereinander sehr schwierig. 
  
   Innerhalb Deutschlands existiert zwar ein System von Haupt- und Einzelmerkmalen zur Exterieurbeurteilung beim Fleckvieh. Bei jedem Verband finden aber z. T. eigene, einander ähnliche Gewichtungen und Maßstäbe Anwendung, weil sie v. a. auch praktikabel und zeitsparend sein müssen. Es wurde vereinbart, das Thema innerhalb der Arbeitsgruppe Fleckvieh in der Fleischnutzung aufzugreifen und Vergleichsbewertungen durchzuführen, um die Abstimmung zwischen Verbänden zu verbessern und das System generell zu prüfen.
  
   Nachdem bei Fleckvieh in der Doppelnutzung das Zuchtziel aktuell neu angepasst worden ist, soll die AG Fleckvieh in der Fleischnutzung in einer der nächsten Arbeitsgruppensitzungen die Formulierung des gültigen Zuchtziels in den nächsten Monaten auf Aktualität und Aussagekraft überarbeiten.
  
   Die nächsten internationalen Fleckviehveranstaltungen werden der Kongress der Europäischen Fleckviehzüchter im Herbst 2007 in Zagreb (30.09.-3.10.2007) und der Kongress der Welt-Simmental-Fleckvieh Vereinigung im Juni 2008 in Großbritannien sein.
  
   Am nächsten Morgen wurde die Nähe zur Stadt Dresden für eine Stadtrundfahrt mit der Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des sogenannten „Elb-Florenz“ genutzt. Die Züchter waren von der Stadtsilhouette mit der Endes des Krieges zerstörten und nun wiederaufgebauten Frauenkirche sichtlich begeistert.
  
   Zum Abschluss des Züchtertreffens wurde das Lehr- und Versuchsgut Köllitsch der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft besucht. Frau Lux, Dr. Rexroth und Herr Klos stellten Betrieb und Fleischrinderzucht vor. Bewirtschaftet werden knapp 1.000 ha Land, überwiegend in den Elbauen gelegen. Neben Ackerbau wird auch eine umfangreiche Tierhaltung betrieben: Milchkühe, Fleischrinder, Schweine, Schafe und Damwild. Bei den Fleischrindern wird Fleckvieh als Hauptrasse gehalten. Weitere Rassen sind Angus, Limousin und verschiedene Kreuzungen für Versuchszwecke. Im Versuchsbetrieb werden neben der Erprobung von verschiedenen Haltungsvarianten und von praxisorientierten Brunststeuerungsprogrammen auch seit mehreren Jahren Messungen der Rückenmuskelfläche mittels Ultraschall durchgeführt. Die Fleckviehkühe stammen überwiegend von Sipos PP, Emil Pp und Homer ab. Die Selektion erfolgt zielgerichtet auf Zunahme, Hornlosigkeit und Erhaltung der Milchleistung.
  
   Die nächste Sitzung der Arbeitsgruppe Fleckvieh in der Fleischnutzung findet im September 2007 in der Schweiz statt. Die Rinderproduktion Berlin-Brandenburg (RBB) hat sich freundlicherweise bereiterklärt, das 3. Bundestreffen der Fleckvieh-Fleisch-Züchter im Oktober 2007 auszurichten. Die genauen Termine werden rechtzeitig veröffentlicht.

   
  

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   Die rahmigen und kalibrigen Kalbinnen der Agrargenossenschaft Kleinbardau sind erst seit wenigen Tagen wieder eingestallt. Neugierig beäugen sie die zahlreiche Besucherschar.
   
   

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   Die vielen kleinen Grünlandschläge der Muldental-Agrar-GmbH werden von Fleckvieh beweidet. Hier genießt eine Teilherde die Oktobersonne.
   
    
 

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   Die Teilnehmer des Bundeszüchtertreffens haben vom Aufgang zu den Brühl´schen Terrassen einen herrlichen Blick in die Dresdener Altstadt.
   
    
  

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   Die Fleckviehherde des Lehr- und Versuchsgutes Köllitsch beweidet die idyllisch gelegenen Weiden direkt am Elbufer. Links im Vordergrund stehen zwei japanische Wagyu-Rinder, die aus ET stammen und von Fleckviehkalbinnen für Versuchszwecke ausgetragen wurden.
  
   
  
   
  
   Erschienen in Rinderzucht Fleckvieh 4/2006 S.44+45

 

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